Fachbeitrag: Gesellschaftlicher Mehrwert

Die Social-Return-on-Investment-Analyse (SROI) ist ein wirkungsbasierter Ansatz zur Bewertung des gesellschaftlichen Mehrwerts von Projekten, Programmen, Organisationen und Unternehmen.

Ein Fachbeitrag von Christian Grünhaus, WU Wien

Im Unterschied zu rein finanziellen Kennzahlen macht Social-Return-on-Investment (SROI) soziale, ökonomische und auch ökologische Wirkungen sichtbar, indem diese systematisch erfasst, bewertet und – soweit möglich – in Geldwerte übersetzt werden.
Ziel ist, den eingesetzten Ressourcen die tatsächlich bewirkten Veränderungen für unterschiedliche Anspruchsgruppen gegenüberzustellen. In diesem Sinne steht die SROI-Analyse in der Tradition von ökonomischen Evaluationen. Das Ergebnis wird häufig als Verhältniszahl dargestellt, etwa: „Ein Euro Investition erzeugt drei Euro gesellschaftlichen Nutzen.“ Diese Zahl ist jedoch kein Gewinn im betriebswirtschaftlichen Sinn, sondern ein verdichteter Ausdruck gesellschaftlicher Wirkung.

Wirkung darstellen

Zentrale Elemente einer SROI-Analyse sind die Einbeziehung von Stakeholdern, die Berücksichtigung von Vergleichsszenarien (Was wäre ohne das Angebot passiert?) sowie Korrekturen für Mitnahmeeffekte, Fremdbeiträge oder Wirkungsabnahmen über die Zeit. Gerade für Non-Profit-Organisationen bietet SROI eine fundierte Grundlage, um Wirkung darzustellen, Lernprozesse anzustoßen und Maßnahmen evidenzbasiert weiterzuentwickeln.

 

Internationale Übersichtsarbeiten zeigen, dass SROI besonders häufig in Bereichen eingesetzt wird, in denen soziale Integration, Beschäftigungsfähigkeit und gesellschaftliche Teilhabe im Mittelpunkt stehen. ArbeitsmarktbezogeneInterventionen – etwa  Qualifizierungsprogramme, Beschäftigungsprojekte oder Maßnahmen zur Integration benachteiligter Gruppen – zählen zu den am besten untersuchten Anwendungsfeldern.

 

Benedikt Nutzinger analysierte beispielsweise international publizierte SROI-Analysen und zeigte, dass ein erheblicher Anteil der dokumentierten SROI-Studien einen direkten Bezug zu Arbeitsmarktintegration aufweist. Dies gilt insbesondere für Projekte mit Jugendlichen, Langzeitarbeitslosen oder Menschen mit mehrfachen Vermittlungshemmnissen.

Gesellschaftlicher Mehrwert

Auch in Österreich wurden SROI-Analysen im Kontext arbeitsmarktpolitischer Programme eingesetzt, um den Mehrwert aktiver Arbeitsmarktpolitik sichtbar zu machen und Entscheidungsgrundlagen für Fördergeber und Politik zu liefern.
So wurde beispielsweise für die sozialintegrativen Unternehmen in Niederösterreich eine SROI-Analyse durchgeführt, die zum Wert von 2,1 kam. Ein investierter Euro in die untersuchten 27 Unternehmen brachte somit 2,1 Euro an gesellschaftlichem Mehrwert.

Vielschichtige Effekte

Für die Angebote von Jugend am Werk Steiermark eröffnet SROI vielfältige  Anwendungsmöglichkeiten. In der Überbetrieblichen Lehrausbildung können beispielsweise Wirkungen wie erfolgreicher Lehrabschluss, erhöhte Beschäftigungsfähigkeit, gestärktes Selbstvertrauen oder langfristig stabilere Erwerbsbiografien analysiert werden. Diese Effekte betreffen nicht nur die Jugendlichen selbst, sondern auch Unternehmen, Familien und die öffentliche Hand. Bei gemeinnützigen Beschäftigungsprojekten lassen sich neben direkten Beschäftigungseffekten auch soziale Stabilisierung, Kompetenzaufbau und regionale Wertschöpfung erfassen. Frühere Studien zu arbeitsmarktpolitischen Programmen zeigen, dass insbesondere vermiedene Sozialtransfers, zusätzliche Erwerbseinkommen, verbesserte Gesundheit und erhöhte soziale Teilhabe wesentliche Wirkungen sind.

SROI kann damit sowohl ein Instrument der externen Rechenschaftslegung als auch Element eines wirkungsbasierten internen Steuerungs- und Lerninstruments sein. SROI unterstützt dabei, die gesellschaftliche Bedeutung der eigenen Arbeit sichtbar zu machen und eigene Maßnahmen wirkungsbasiert weiterzuentwickeln.

"SROI macht die gesellschaftliche Bedeutung der eigenen Arbeit sichtbar."

 

Christian Grünhaus ist Leiter des Zentrums für Non-Profitorganisationen (NPOs) und Social Impact der Wirtschaftsuniversität Wien. Seine Forschungs- und Interessensschwerpunkte liegen im Bereich Social-Impact-Analyse, ökonomische Evaluation, Finanzierung sowie Governance von NPOs. Themen im Bereich Sozialpolitik, insbesondere Altenpflege und -betreuung, Leistungen für Menschen mit Behinderung und Wohnungslosigkeit gehörenebenfalls zu seinen Arbeitsschwerpunkten. In den letzten 20 Jahren leitete er über 100 Projekte in den genannten Themenfeldern.
christian.gruenhaus@wu.ac.at

Literatur

Grünhaus, Christian, 2023. Indikatoren in Entscheidungsprozessen: Stärken und strukturelle Schwächen. Mörtel, J., Nordmann, A. & Schlaudt, O. (Hrsg.). 1. Aufl. Wiesbaden: Springer VS, S. 73-85 13 S.
Nutzinger, Benedikt (2021). Der Social Return on Investment (SROI)-Ansatz. Ein systematisches Review über Wirkungsmessung von Projekten im Zeitraum 2012–2020. Masterarbeit. Wirtschaftsuniversität Wien.
Rauscher, Olivia, Schober, Christian, Burger, Verena (2016). Studie zum gesellschaftlichen Mehrwert der 27 sozialintegrativen Unternehmen in Niederösterreich mittels einer SROI-Analyse. WU Vienna University of Economics and Business, NPO & SE Kompetenzzentrum.
Then, V., Schober, C., Rauscher, O., Kehl, K. (2017). Social Return on Investment Analysis: Measuring the Impact of Social Investment. Palgrave Macmillan. https://doi.org/10.1007/978-3-319-71401-1
Schober, Christian, Then, Volker (2015). Praxishandbuch Social Return on Investment. Stuttgart: Schäffer Poeschel.